Kultur & Kreativität Regionales

stARTcamp Heidelberg

In einen Tisch ist ein Papiershredder eingebaut und in neongelb angemalt. Darunter ist ein Berg geshreddertes Papier sichtbar. Danaben liegt ein Stapel der Kunstzeitung.

Ein Barcamp für Kunst, Kultur und der Digitalität

Das erste stARTcamp Heidelberg fand im Dezernat 16, dem Kultur- und Kreativwirtschaftszentrum, am Samstag den 13. Mai statt. Organisiert wurde es vom Verein Konnex  Art, in Person von Karin Kopka-Musch und Dirk Welz. Startcamps sind Barcamps für Kultur, Kunst und deren Kommunikation. Vorreiter mit Veranstaltungen dieser Art sind die Städte Basel, München, Münster, Wien, Köln und Essen.

Wie wars?

Es war ein kleines und familiäres Barcamp an diesem Samstag in Heidelberg. Rund 40 Kunstschaffende und Interessierte fanden sich im Foyer 1 der Emil-Maier-Straße 16 ein, machten sich bekannt, versorgten sich mit Kaffee, Tee, einer Brezel und einem Sitzplatz.

Kurz nach 10 Uhr eröffneten Karin und Dirk die Veranstaltung. Es gab eine kurze Vorstellungsrunde, bei dem jede*r Namen, Ort nannte und kurz etwas zu sich sagte. Danach gingen wir zur sogenannten Sessionplanung über – also der Planung des eigentlichen Tagesprogramms. Dieses entsteht bei einem Barcamp erst nach der Begrüßung und durch die Teilnehmenden.

Da die Zahl der Menschen geringer als erwartet war, reduzierte die Organisation die Raumanzahl und verzichtet auf die strenge Einführung und Einhaltung der Barcampregeln. Jede Person konnte auf seinem Platz sitzen bleiben. Normalerweise kommt man auf die Bühne, um seinen Beitrag in zwei bis drei Sätzen vorzustellen. Wer eine Idee für eine Session hatte, trug diese kurz vor und fragte das Interesse ab. Anschließend wurde dem Programmpunkt auf dem Plan ein passender Raum zugeordnet und das Mikrofon weitergegeben.

Was ist eine Session?

Es ist ein Beitrag der völlig frei in der Gestaltung ist. Einzuhalten ist ein Zeitrahmen von 45 Minuten inklusive Diskussion, plus 15 Minuten Pause. Vom Format kann das alles sein, was interessant für Dich und andere ist. Es soll ein Thema sein, das in irgend einer Form Menschen interessiert und weiterbringt. Es ermöglicht über den Tellerrand des eigenen Fachgebiets zu schauen und sich zu bilden. Keinesfalls erwünscht sind Werbeveranstaltungen oder die pure Selbstvermarktung.

Gesehen habe ich schon klassische Vorträge, Diskussionen, das Planen einer Sache, ein gemeinsames Bemalen einer Leinwand, eine Musik-Session, gemeinsame Spaziergänge, kreatives Schaffen (Gedichte, Musik, Texte, Kunstwerke, …), oder, oder, oder. Häufig ist es so, dass sich Menschen auf einem Barcamp verbinden und hinterher gemeinsame Projekte, Aktionen, Firmen, Initiativen, Vereine oder was auch immer gründen.

Wer hat das Sagen?

Du als Teilnehmende*r bist das  Barcamp! Mache etwas daraus, bringe Dich ein und achte auf Dich und die anderen. Das ist der Leitsatz, mit dem das Organisationsteam die Verantwortung über die Veranstaltung an die Teilnehmenden übergegeben hat.

Worum ging es?

Nachdem viele Ideen ihre Zustimmung gefunden hatten und die Themen in Räume verteilt waren, begann gleich der erste Beitrag im Seminarraum „Turnhalle“:

  • Sandra und Karin, die Kuratorinnen des Projektes gaben eine Einführung in die Ausstellung „share this“ *.
  • Kathrin, Sabine und Karin brachten einen Impuls zum Thema „Open Display Malerei“.
  • Vor der Mittagspause hielt Julian einen Vortrag zum Thema „Digitalisierung versus Mediatisierung“.
  • Das Mahmouds in der Bergheimer Straße lieferte das vegetarische Mittagessen, welches großen Anklang fand.
  • Nach der Pause gab Sonja, eine freiberufliche Opernsängerin, eine Einführung in die eigene Stimme und deren guter Einsatz. Quasi eine Stimmbildung für Künstler*innen.
  • Rolf erzählte von seiner Reisedoku im Web, der Buchvermarktung, dem Eigenverlag und Nutzung eines Blogs für Zusatzcontent.
  • Sandra brachte einen Beitrag zu „Artefakt und Digitale Erscheinung“.
  • Bella gab eine Einführung in das Thema Streetart und warf mit den Teilnehmenden einen Blick auf Streetart hier in der Region.
  • Es gab eine Runde zum Thema „schöpferische Vielfalt versus Wiedererkennungswert“.
  • Julia vom Rhein-Neckar-Kreis stellte in ihrer Session die Frage: „Welche Unterstützung wünschen sich Künstler*innnen?“.

    * Die Werke der Gruppenausstellung „share this“ sind bis 20.05.2017 in der Turnhalle des Hauses zu sehen (Do-So 11-18 Uhr). Die Künstlerinnen stammen aus Heidelberg und Münster und berühren mit ihren Werken die Themen Kunst und Digitalisierung.

Finanzierung

Die Veranstaltung wurde unterstützt durch das Kulturamt der Stadt Heidelberg, die LBBW Stiftung, sowie die BASF SE. Räumlichkeiten und die Ausstattung wurden von den Heidelberger Diensten gestellt, die das Kultur- und Kreativwirtschaftszentrum unterhalten.

Mein Fazit

Es war eine sehr schöne Veranstaltung. Das Wetter hat wunderbar gepasst und die Organisation war gut. Thematisch habe ich den Eindruck, dass bei den Künstler*innen ein großer Bedarf des gegenseitigen Austausches und der Vernetzung besteht. Ebenso fehlt eine Stelle oder eine gepflegte Website, Beispielsweise eine Art Wiki, auf der sich günstige! Möglichkeiten für Ausstellungen und die Atelieranmietung finden lassen. Generelles Ziel sind Maßnahmen, die den gesellschaftlichen Wert von Kunst betonen und dem Verhältnis Kunst und Öffentlichkeit dienlich sind. Mehr Marketing, Fördermittel, Wertschätzung, Unterstützung und Sichtbarkeit für Kunstschaffende und ihr Potenzial ästhetisch, politisch zu reflektieren, zu kommentieren und zu intervenieren.

Das Format des stARTcamp bietet sich zur Unterstützung der regionalen, nationalen und auch der internationalen Vernetzung, dem Austausch und der Öffentlichkeitsarbeit von und für Künster*innen an.

Kaum Müll

Was mich besonders gefreut hat, war dass die Veranstaltung vorbildlich abfallarm war. Sowohl bei den Themen als auch sonst gab es nur wenig Müll: Die Getränke wurden direkt aus den Glasflaschen getrunken, für den aufgebrühten Kaffee und Tee gab es Porzellanbecher mit Kreppband-Beschriftung und Tassenparkplatz. Milch und Sojadrink gab es in einer großen Packung, die Brezel waren in einer großen Papiertüte, das Mittagessen wurde auf Porzellantellern geliefert und von Tellern mit normalem Besteck gegessen, welches gleich danach gespült wurde. Ansonsten fiel bis auf Zuckerpackungen, Textilnamensschilder, Moderationskarten, Servietten und ein paar Zigarettenkippen praktisch kein Abfall an.

Ich bin Heidelberger, fotografiere leidenschaftlich gerne und meine Berufung liegt in der Etablierung einer Konfliktkultur (Mediation). Ich schreibe auf meinen Weblog über das, was mich bewegt und Heidelberg - die Stadt, welche ich liebe.

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