in eigener Sache

Unterschiedlicher Umgang

Eine Straße in Schwarz-Weiß, Nachts bei Nebel

Maßnahmen gegen Anzeichen einer (Pandemie-)Depression

Menschen reagieren unterschiedlich auf die aktuelle Situation und die Beschränkungen.

Ich verstehe, dass viele Menschen sich darüber austauschen möchten, was sie beschäftigt und welche Sorgen sie plagen. Für viele gibt dieser Austausch Halt und Sicherheit.

Ebenso habe ich Verständnis dafür, dass Menschen unterschiedlich mit der Situation umgehen und diese Gespräche unbedingt benötigen, um mit den Gegebenheiten klarzukommen.

Den vorliegenden Text habe ich geschrieben, um ein Verständnis für die Menschen zu schaffen, die mit der Situation und Einschränkungen wunderbar klarkommen, für die jedoch die Gespräche oder Nachrichten so sehr belastend sind.

Vielleicht kann ich damit auch Menschen Mut machen, einfach das Thema zu wechseln oder zu sagen: „Können wir über was anderes sprechen? Das C*-Thema belastet mich im Moment zu sehr“.

Im Text beschreibe ich, was mich in den ersten beiden Wellen sehr belastet hat und wie ich diese Belastung Schritt für Schritt abbauen konnte. Vielleicht helfen Dir ebenso einzelne Elemente daraus und Du kannst sie in Deinen Alltag übernehmen und anpassen.

Um das gleich zu Anfang klarzustellen: Ich habe meine dritte Impfung seit Dezember 2021 und ich trage eine FFP2-Maske, wenn ich Menschen begegne. Außerdem meide ich Ansammlungen von Menschen, um eine Übertragung zu verhindern #flattenthecurve. Ich gehöre zur Risikogruppe.

Das machen die Gespräche mit mir

Geistiger Schmerz

Für mich ist es geistig unglaublich schmerzhaft und belastend, wenn Menschen über das C*-Thema sprechen und all die Themen, die damit zusammenhängen.

Gefühlt ist es immer wieder das Gleiche über das gesprochen und lamentiert wird. Und die Menschen können doch nicht aktiv etwas an der Situation ändern. Die Maßnahmen bleiben für vernünftige Menschen, die sich schützen möchten, identisch.

Langeweile

Bin ich in solche Gespräche verwickelt schreit mein Hirn meistens „LAAAANGWEILIG!!111!!!“ und „HIER WIRD GERADE ZEIT UND KRAFT VERBRANNT!“.

Ja, es gibt dabei mit manchen Menschen auch interessante Konversationen zu diesen Themen. Die Anzahl dieser Gespräche sind jedoch gefühlt nicht mehr als 10 Prozent insgesamt.

Müdigkeit und Erschöpfung

ist eine der Auswirkungen, die ich als Erstes bemerkt habe. Ich fühle mich müde und kraftlos, obwohl ich ausreichend geschlafen habe. Es gibt keine erkennbare Ursache für die Müdigkeit und Abgeschlagenheit.

Depression?

Letztlich führt das Scrollen in sozialen Netzwerken, der Nachrichtenkonsum, in Verbindung mit dem C*-Gequatsche zu einer Art temporärer Depression. Es ist insgesamt zu viel.

Es gibt keine Chance in dieser Phase auch nur einen Blogartikel zu verfassen, an meinem Buch weiterzuschreiben, mich ehrenamtlich zu engagieren oder geschweige denn die Kamera in die Hand zu nehmen und etwa menschenleere Straßen zu fotografieren.

Die depressive Phase legt sich wie eine Nebeldecke auf positive Gedanken, gute Ideen und saugt förmlich die persönlichen Energiespeicher leer.

Arzt aufsuchen

Im Folgenden schreibe ich, was mir in dieser Zeit geholfen hat, mich aus dieser Situation herauszubewegen. Das ist auf keinen Fall eine allgemeingültige Anleitung für alle Menschen.

Schildere ihm oder ihr die beobachteten Symptome, Sorgen oder Empfindungen. Mit ihm oder ihr kannst Du als erste Ansprechperson alle weiteren Schritte klären.

Mit jemandem sprechen

Eine Beratungsstelle oder die Telefonseelsorge kann hier auch hilfreich sein, um einfach mal mit jemandem zu sprechen. Die Personen sind geschult und haben ein offenes Ohr für Dich:

Mir hilft

Mehr guter Schlaf

Um dies festzustellen, haben mir die Apps Sleep as Android oder Sleep Cycle geholfen. Beide Anwendungen kann man auch ohne Bezahlung nutzen. Für die Erfassung der Stunden und der Schlafqualität war das bei mir völlig ausreichend. Sleep Cycle ist einfacher gehalten und zeigt die Schlafphasen schön an. Sleep as Android zeigt detailreichere Statistiken.

Wichtig für den guten Schlaf ist für mich ein dunkler, kühler Raum, mit möglichst wenig elektrischen Geräten und der Verzicht auf blaues Licht und die Benutzung des Smartphones, mindestens eine Stunde vor dem zu Bett gehen.

Ach ja und mindestens drei Stunden vor dem Schlafen gehen nichts mehr essen. Da sonst die Verdauung die Schlafqualität beeinflusst. Spätes Essen macht sich dadurch bemerkbar, dass ich dann entweder gegen fünf Uhr wach werde und/oder mir eine Schlafphase fehlt.

Raus gehen, bewegen, frische Luft und Licht

Die frische Luft, die Bewegung und andere Eindrücke als die eigenen vier Wände helfen mir. Sie lüften die Depressionsdecke ein wenig. Optimal ist der Wald und die Natur. Sie helfen zusätzlich.

Ich habe es mir in der Zeit, als alles geschlossen war und wir Kontakte vermeiden sollten, zur Regel gemacht mindestens einmal am Tag eine halbe Stunde herauszugehen. Oftmals wurden daraus dann mehrere Stunden. Wenn ich einmal unterwegs bin, dann läuft es sich ganz von selbst :-).

Nachrichten-Fasten

Alles andere ignoriere ich. Was wirklich wichtig ist, hat mich bisher immer über andere Wege erreicht. Ich verpasse also nicht wirklich etwas. Die Welt dreht sich weiter und es geht mir besser.

Ich habe festgestellt, dass die Kreativität, die Kraft und die Muße teilweise wieder zurückkommt, wenn ich konsequent Nachrichten aller Art vermeide und mich von den sozialen Netzwerken weitgehend fern halte.

Zeit in sozialen Netzwerken begrenzen – oder gleich deinstallieren

Wer kennt das nicht: Einmal kurz auf Instagram, Facebook, TikTok, Twitter, … schauen. Und schwups, ist eine Stunde vorbei. In einer depressiven Phase oder eine, in der ich gefährdet bin, ist das nicht förderlich.

Hier fahre ich gut mit der Regel maximal einmal am Tag hineinzuschauen und die Aufenthaltsdauer zeitlich zu begrenzen. Ja, ich stelle mir hierfür einen Wecker.

Wenn das nicht helfen sollte, empfehle ich die Social Media Apps zumindest zeitweise komplett vom Smartphone zu entfernen.

Schwarze Liste nutzen

In manchen sozialen Netzwerken lassen sich Begriffe auf eine schwarze Liste (Blacklist) setzen. Beiträge, die diese Begriffe enthalten, werden dann nicht mehr angezeigt. Das funktioniert gut für Twitter. Hier habe ich sogar schon meine Sperrliste getwittert:

Gespräche unterbrechen und das Thema wechseln

Leider gibt es keine Blocklisten für Gespräche mit anderen Menschen. Hier ist es erforderlich selbst einzugreifen. Mit etwas Übung lässt sich das Gespräch meistens mit ein oder zwei Anläufen auf ein anderes Thema lenken.

Bei Menschen, die ohne Pause sprechen und minutenlange Vorträge halten, ist es auch erlaubt, mit einem „Entschuldigung, wusstest Du schon dass …“ ins Wort zu fallen. Die Zeit, in er sich Dein Gehirn, wegen des Monologs langweilt, kannst Du nutzen, um Dir gedanklich einen passenden Satz zurechtzulegen.

Lässt sich die Sprecherin oder der Sprecher damit unterbrechen, kannst Du erklärend ein „Können wir über was anderes sprechen? Das Thema belastet mich im Moment zu sehr/ist mir nicht wichtig genug“ einstreuen. Alternativ zur Erklärung kannst Du auch einfach mit einem neuen Thema beginnen.

Abschalten von Benachrichtigungen

Für mich ist es optimal, die nervenden Anwendungen und Messenger stumm zu schalten. Was ich auch meistens in den Messengern deaktiviere, ist die Übermittlung, ob ich Nachrichten gelesen habe oder ob ich gerade tippe. Erstens geht das niemanden etwas an und zweitens nimmt das für mich die Spannung heraus, eingegangene Nachrichten direkt lesen zu „müssen“.

Das hat zwar nichts mit der aktuellen Lage zu tun, senkt jedoch die Grundbelastung erheblich.

Podcasts

Podcasts sind für mich ein eigenes Medium, das viel mehr kann. Inspiration für Podcast und einen Einstieg kannst Du mittels fyyd, podcast.de und Sendegarten finden.

In einer Phase, in der es mir nicht gut geht, muss ich bei Podcasts beachten, dass ich sie nicht in 1,5 oder 2-facher Geschwindigkeit anhöre. Eine Geschwindigkeit von 1,25-fach ist hier die maximale Geschwindigkeit.

Noise cancelling Kopfhörer

Ein abschirmender Kopfhörer (noise cancelling) kann helfen Gespräche und Geräusche von Dir abzuschirmen. Er kann auch sozial helfen, da ein aufgesetzter Kopfhörer anderen Leuten signalisiert, dass Du nicht gestört werden möchtest. Statt der relativ teuren Kopfhörer kann auch schon ein Gehörschutz ausreichen.

Musik

In einer Phase, in der es mir besonders übel geht, hilft es mir von Podcasts auf Musik umzusteigen oder ganz auf Beschallung zu verzichten. Gerade beim Herausgehen ist das sinnvoll, um auch die Eindrücke der Umgebung wahrzunehmen und überhaupt erst zu bemerken.

Was mache ich, wenn die Kraft, Muße und Ideen zurück kommen?

[Ironie an] Am besten mit der neu erworbenen Kraft über die Politik und Menschen schimpfen, die sich nicht vernünftig verhalten. [/Ironie aus]

Nein, ich denke, es ist sinnvoll, sich erst einmal zu sammeln, Kraft zu tanken und Dinge zu tun, die Dir selbst gut tun. Was das ist, kannst natürlich nur Du selbst wissen oder entdecken. Hier die Dinge, die ich so mache oder bei anderen sehe:

Dinge wegschaffen

Dinge auf meiner To-do-Liste können auch belasten und nerven. Daher weg mit den Dingen, die ich schnell lösen oder erledigen kann oder die am drängendsten sind.

Sport machen

Noch nicht meine Hauptaktivität. Für andere mag das eine gute Sache sein, sich regelmäßig mittels Sport auszupowern.

Neues Lernen oder Reisen

Weiterbildung verändert Dich und öffnet Dir neue Möglichkeiten. Das kann Dich sowohl intellektuell als auch oft finanziell weiter bringen.

Durch Reisen bildest Du Dich ebenso weiter und entwickelst neue Blickwinkel und Horizonte. Durch sparsames Reisen, einen Reiseblog, ein Sponsoring oder gar ein Crowdfunding kannst Du Reisen vielleicht sogar finanzieren.

Etwas (er)schaffen

Schreibe ein Blog oder Buch, male, nimm einen Podcast auf, werde YouTuber, drehe Filme, fotografiere, koche, backe, töpfere, stricke, musiziere, singe, tanze, nimm an einem Barcamp teil, veranstalte ein Barcamp, …, was auch immer.

Die Möglichkeiten sind vielfältig. Wichtig ist das Anfangen. Anleitungen dazu gibt es im Internet oder in der Volkshochschule der nächstgrößeren Stadt. Auch manche Krankenkassen bieten interessante Kurse an. Probiere was Neues aus!

Wann hast Du zuletzt etwas zum ersten Mal gemacht?

Ehrenamtlich engagieren

Hier gibt es gar unendliche Möglichkeiten Dich zeitweise oder dauerhaft einzubringen. Ich bringe mich nach Bedarf und Lust und Laune immer wieder bei folgenden Initiativen ein. Hier werden sie genannt, eventuell schreibe ich einmal eigene Blogposts über mein Engagement in diesen Bereichen:

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Autor

Ich bin Heidelberger, fotografiere leidenschaftlich gerne und meine Berufung liegt in der Etablierung einer Konfliktkultur (Mediation). Ich schreibe auf meinen Weblog über das, was mich bewegt und Heidelberg - die Stadt, welche ich liebe.

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